Grafschafter Unternehmen profitieren von Energieaudits

v.l.n.r.: Daniel Ribeiro, Jörg Scheyhing, Norman Lentzsch, Dr. Frank Gussek, Heinz Kamp, Wilhelm Roelofs, Frank Hemme und Jutta Lübbert tauschten ihre Erfahrungen bei den Energieaudits aus.


Seit April 2015 sind große Unternehmen verpflichtet, regelmäßig Energieaudits durchzuführen. Das betrifft auch zahlreiche Betriebe in der Grafschaft Bentheim. Die Erfahrungen der Unternehmer mit der Auditierung sind sehr positiv.

Der Druck auf Unternehmen, mit Energie sparsam umzugehen, ist gestiegen. Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich darauf verständigt, den Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren. „Die Steigerung der Energieeffizienz ist die zentrale Säule für die Energiewende. Insbesondere die Sektoren Industrie und Gewerbe bieten hohe Potenziale für Einsparungen“, sagte Jörg Scheyhing, Geschäftsführer der Forum Energieberatung, die Unternehmen hinsichtlich Energieeffizienz und Auditierung berät.

Von April bis Dezember 2015 hat die Forum Energieberatung in 14 regionalen Unternehmen 50 Audits durchgeführt. Die Nacharbeiten dauerten bis Mitte 2016. Geprüft wurden insgesamt 158 Standorte. Die in den Audits erfasste Energie beträgt 110 Millionen Kilowattstunden. „Das sind mehr als zehn Prozent des Energieverbrauchs des gesamten Sektors Wirtschaft in der Grafschaft Bentheim“, sagte Jutta Lübbert, ebenfalls Geschäftsführerin der Forum Energieberatung.

Auch die Nordhorner Gussek Haus - Franz Gussek GmbH & Co. KG war aufgrund ihrer Größe verpflichtet, ein Audit durchzuführen. „Rückblickend muss ich sagen, dass uns viele Schritte aufgezeigt wurden, die uns weitergebracht haben“, sagte Geschäftsführer Dr. Frank Gussek. Geprüft wurden unter anderem Beleuchtung, Maschineneinsatz und Druckluft in dem holzverarbeitenden Unternehmen, das Fertighäuser produziert. „Am meisten hat die Umstellung der Beleuchtung auf LED gebracht. Das war wirtschaftlich attraktiv, weil es sich sehr schnell amortisiert hat“, berichtete Gussek. Laut Audit gibt es bei Gussek Haus ein jährliches Einsparpotenzial an Kilowattstunden von fast sieben Prozent. Gussek beschäftigt 400 Mitarbeiter an zwei Produktionsstandorten. Mit den Musterhäusern wurden 20 Standorte in die Auditierung einbezogen.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Frank Hemme von der KTR Systems GmbH in Rheine gemacht. Das Unternehmen produziert Antriebskomponenten für den Maschinen-und Anlagenbau und beschäftigt in Rheine 420 und weltweit 1100 Mitarbeiter. „Wir haben sehr davon profitiert, dass unser Energieverbrauch von außen analysiert wird. Energieberatung ist ein sehr komplexes Thema, bei dem Expertise sehr hilfreich ist.“

Seit April 2015 sind Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz oder einer Bilanzsumme, die größer als 43 Millionen Euro ist, verpflichtet, regelmäßig Energieaudits durchzuführen. Ob die Firmen die Vorschläge auch umsetzen, bleibt ihnen überlassen. Nach den Erfahrungen von Jutta Lübbert wird aber meist schnell klar, dass es wirtschaftlich attraktiv ist, in Maßnahmen zur Energieeinsparung zu investieren.

Auch kleine Unternehmen können sich freiwillig auditieren lassen. Sie werden dafür sogar staatlich gefördert, indem 80 Prozent der Kosten übernommen werden. Dass sich das lohnt, bestätigen Wilhelm Roelofs und Heinz Kamp für das Audit des Hotel-Restaurants Hof Veldink in Emlichheim. „Mein Bauchgefühl sagte mir, dass der Energieverbrauch zu hoch ist. Das wollte ich genau abklären lassen“, erklärte Roelofs. Erst vor wenigen Tagen hat die Forum Energieberatung ihm das Ergebnis des Audits präsentiert. „Sehr attraktiv fand ich, dass der Return on Investment von der Energieberatung mitberechnet wird. So weiß ich, wann sich mein Einsatz rechnet“, sagte der Unternehmer. Insgesamt ließen sich im Hof Veldink 28 Prozent der bisher verbrauchten Energie in Kilowattstunden einsparen, übers Jahr gerechnet sind das mehr als 12.000 Euro. Eine erste Änderung hat Hof Veldink bereits umgesetzt: Die Spülmaschine erwies sich als Stromfresser, weil kaltes Wasser eingeleitet wurde, das die Maschine elektrisch auf bis zu 90 Grad erhitzen musste. Jetzt wird vorhandenes Warmwasser genutzt, das bereits mit 65 Grad eingeleitet wird. „Wenn ich alle Vorschläge der Beratung umsetze, kann ich fast 35 Prozent der Energiekosten sparen“, sagte Wilhelm Roelofs. Aktuell geht er davon aus, etwa zwei Drittel der vorgeschlagenen Maßnahmen auch anzugehen. Vom Nutzen des Audits ist er so überzeugt, dass er demnächst auch sein zweites Hotel-Restaurant, das Alte Landhaus Buddenberg in Ringe, hinsichtlich der Energieeinsparmöglichkeiten auditieren lassen will.